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AMS-Kurse: Brettspiel statt Bewerbungen

Dezember 2019

AMS-Kurse: Brettspiel statt Bewerbungen

Das Arbeitsmarktservice (AMS) testet in Tulln eine neue Betreuungsform für Langzeitarbeitslose. Dabei entfällt jeglicher Zwang, den Arbeitslose normalerweise erfüllen müssen, um Arbeitslosengeld zu erhalten. Statt Bewerbungen zu schreiben oder Fortbildungen zu besuchen, wurde etwa ein Brettspiel entwickelt. 16. Dezember 2019 Auf Facebook teilen

Mit vollem Stolz präsentiert Johann Söllner gemeinsam mit seinem Partner Josef sein Werk: eine neue und einfachere Form von japanischem Schach. Das Brettspiel entwickelten die beiden in den vergangenen drei Monaten im Kurs „Ideenwerkstatt“ – von der Idee bis zur Umsetzung. „Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen“, erzählt Söllner, „bei uns hat jeder das gemacht, wo seine Stärken liegen.“

„Es hieß nie ‚Wir müssen jetzt das oder jenes machen‘, sondern es ging von vornherein um Können und gleichzeitig um Lust“, ergänzt sein Kollege Josef. Das sei auch der Unterschied zu früheren Kursen, die er bereits mehrfach besuchen musste, „weil es nicht immer lustig ist, wenn man von der Behörde gewisse Auflagen erfüllen muss.“ Statt regelmäßigen Kontrollterminen und verpflichtenden Bewerbungskursen konnten sich die beiden ganz auf ihre Talente konzentrieren.

Soziale Stabilität und Tagesstruktur

Einmal pro Woche gibt es für die teilnehmenden Langzeitarbeitslosen auch den „offenen Raum“. Hier können sie sich treffen, um zu plaudern und Kaffee zu trinken. Zudem können sie sich persönlich beraten lassen, etwa über ihre Chancen am Arbeitsmarkt, oder Hilfe bei Bewerbungen in Anspruch nehmen. Wichtig ist laut AMS, dass die Betroffenen wieder soziale Stabilität und eine geordnete Tagesstruktur bekommen. „Und in einer Kleingruppe wie bei uns kann das einfacher geschehen, als bei Einzelberatungen, weil sich die Menschen gegenseitig unterstützen und weiterhelfen“, sagt Dieter Ptacek, psychosozialer Mitarbeiter des Vereins hebebühne.

Wie oft man zum wöchentlichen Treffen kommt und bei welchen Kursen man mitmacht, bleibt jedem selbst überlassen. Dadurch müssen sich die Teilnehmer einerseits selbst organisieren, andererseits ist diese Freiwilligkeit laut dem Chef des AMS Niederösterreich, Sven Hergovich, ein entscheidender Faktor, „weil Leute, die sich freiwillig dafür entscheiden, motivierter sind und wir mit diesen Kunden besser an der Behebung der jeweiligen Vermittlungshemmnisse arbeiten können.“

Schulden, Süchte und familiäre Probleme

Der große Erfolg des Projekts „Trendwende“ sei, dass sich die Betreuer dabei mehr Zeit für die Langzeitarbeitslosen nehmen können, sagt Hergovich, „um die individuellen Probleme, die einer Integration in den Arbeitsmarkt im Weg stehen, aufzuarbeiten.“ Bei Langzeitarbeitslosen gehe es dabei oft nicht nur um handwerkliche Fähigkeiten, sondern um andere Hemmnisse, wie Suchterkrankungen, familiäre Probleme oder Schulden. Durch das Projekt könne man sich mehr Zeit nehmen, „um jeden einzelnen auch wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.“

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist in Niederösterreich 2019 zwar stark zurückgegangen (minus 13 Prozent). Mit fast 10.000 Betroffenen Ende November ist die Zahl aber nach wie vor hoch, betont Hergovich. Ab nächstem Jahr soll das Projekt „Trendwende“ deshalb auf ganz Niederösterreich ausgeweitet werden. 4.200 weitere Langzeitarbeitslose sollen damit – so wie Johann und Josef – eine Chance bekommen, um langsam wieder in einen Beruf zurückzufinden.

Quelle https://noe.orf.at/stories/3026149/

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